2006 · Vier im Kreis | Künstlerbund Baden-Württemberg · Oberndorf am Neckar

Ausstellungsprojekt „Vier im Kreis“ der Künstlergruppe maximal, 2006 realisiert anlässlich der Ausstellung „Künstlergruppen“, Künstlerbund Baden-Württemberg, Augustinerklosterkirche, Oberndorf am Neckar.

 


 

 

AUSSTELLUNGSDAUER
21. Mai – 10. September 2006

Augustinerklosterkirche
Klosterstrasse
78727 Oberndorf am Neckar

Teilnehmende Künstlergruppen:
Das Deutsche Handwerk
Das Kartell
Die Weissenhofer
Filderbahnfreunde Möhringen
In Corpore
maximal

 


 


Programmatisch undogmatisch.
Künstlergruppen in der Augustinerklosterkirche Oberndorf am Neckar

Nikolaus Bischoff

Sechs Künstlergruppen aus Baden-Württemberg wurden eingeladen, für die Augustinerklosterkirche von Oberndorf eine Rauminstallation zu entwerfen.
Alle sechs Gruppen haben eigens für diesen Ort ein Präsentationskonzept entwickelt, das sich mit der spezifischen Ausstellungssituation auseinandersetzt. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtung und Geschichte der vertretenen Künstlergruppen – sie reicht vom geschlossen auftretenden Kollektiv bis zum losen Zusammenschluss befreundeter Künstler – ist ihnen eines gemeinsam: das Fehlen jeglicher Ideologie. Das Pathos der klassischen Avantgarden ist ihnen ebenso fremd wie deren radikaler Ausschließlichkeitsanspruch. Ihr Handeln ist nicht auf die Verwirklichung einer Utopie ausgerichtet, sondern im Hier und Jetzt verankert, in der Auseinandersetzung mit der uns umgebenden Realität und deren gesellschaftlichen Bedingungen. Dabei steht der undogmatische, spielerische Umgang mit verfügbaren Denkmodellen und Materialien im Vordergrund. Die Verknüpfung unterschiedlicher künstlerischer Positionen in einem immer wieder neu zu definierenden Kontext ist kennzeichend für die hier ausstellenden Künstlergruppen. Ihre besondere Qualität liegt in der Heterogenität der einzelnen Ansätze, im Aushalten – mehr noch: in der Nutzbarmachung auftretender Ambivalenzen.
Es wird ein Handlungsraum, ein Versuchsfeld geschaffen, in dem Bezüge neu verknüpft und verschaltet werden. Die individuellen Positionen bilden dabei jeweils den Ausgangs- und Anhaltspunkt für das gemeinsame Projekt. Obwohl sie hinter das Gesamtkonzept zurücktreten, bleiben sie – mal mehr, mal weniger – in ihrer Eigenständigkeit erkennbar.
Meist entstehen die Zusammenschlüsse aus der konkreten Lebenssituation, der gemeinsame Background, die gleiche Akademie, der gleiche Freundeskreis, führt ganz unmittelbar und unprogrammatisch zur Verbindung von Kunst und Leben.
Wesentlich für die Entstehung von Künstlergruppen ist überdies das Aufweichen der Rollenverteilung zwischen Künstlern und Kuratoren. Den Modus der Präsentation selbst bestimmen zu können, bedeutet Kontrolle über die Produktion von Bedeutung.

… Die Stuttgarter Künstlerguppe maximal, bestehend aus Isa Dahl, Thomas Heger, Rolf Kilian, Bernd Mattiebe, Rainer Schall, Daniel Wagenblast und Bernhard Walz, formierte sich 1994 aus dem Bedürfnis, die Isolation künstlerischen Arbeitens zu überwinden. Die eigene Position zu reflektieren und zu diskutieren, sie der Kritik der Anderen auszusetzen, ist wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses von maximal. Dabei gewährleistet die Heterogentität der Gruppe – die Bandbreite der Ausdrucksformen umfasst Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Video – eine lebendige Auseinandersetzung über Kunst und deren Präsentationsweise.
Für die Ausstellung in Oberndorf stellt maximal sieben mit Wasser gefüllte Pastikplanschbecken im Kirchenraum auf, die jeweils mit einer Arbeit bestückt werden. Über eine eigens angefertigte Dachlattenkonstruktion erhalten die einzelnen Becken durch je eine Glühbirne angemessen Licht. Steht den Arbeiten das Wasser bis zum Hals oder spielt maximal hier mit ironischem Unterton auf die Verkehrung der Verhältnisse, auf die Absurdität des Arrangements an? Wird hier eine Umwertung, eine Neubewertung des Terrains vorgenommen? Oder tappen wir in eine aufgestellte Interpretationsfalle? …